Darf ich beim Schreiben KI nutzen?

Diese Übersicht hat das TypeTak-Team zusammengestellt. Weil wir selbst ein KI-Schreibwerkzeug entwickeln, stützen wir uns nur auf veröffentlichte Regeln, Gesetzestexte und Berichte und verlinken jede Quelle. Stand: 15. Oktober 2026. Wenn sich Regeln ändern, passen wir den Text an. Eine Rechtsberatung ersetzt diese Übersicht nicht. Vor wichtigen Entscheidungen wie einer Einreichung oder einem Vertrag prüfen Sie deshalb bitte den Originaltext.

Auf einen Blick

Die meisten Plattformen, auf denen Sie Geschichten veröffentlichen, erlauben KI, verlangen aber teils eine Kennzeichnung: Fanfiktion.de begrenzt KI-Text auf ein Drittel, tolino media will einen Hinweis im Impressum, Amazon KDP fragt beim Hochladen nach KI-generierten Inhalten. Literaturpreise und Schreibwettbewerbe sind deutlich strenger, und die Formulierungen reichen von „ohne die Hilfe von KI“ bis zu „ganz oder in wesentlichen Teilen“ KI-generiert. Der EU AI Act gilt in seinen Transparenzpflichten seit dem 2. August 2026, richtet sich aber an Anbieter und berufliche Betreiber von KI-Systemen; Romantexte nimmt die EU-Kommission ausdrücklich aus der Kennzeichnungspflicht für Texte heraus (Orrick, 2026-08-14). Rein KI-generierte Texte genießen in Deutschland nach bisheriger Rechtsprechung keinen Urheberrechtsschutz.

Ort Veröffentlichen Wettbewerbe KI-Cover
Wattpad Nicht geregelt (Content Guidelines) Wattys 2026 raten stark von KI-Text ab (Wattpad) Bei Auswahl für Promotion muss das Cover ggf. überarbeitet werden
Fanfiktion.de KI-Text bis zu einem Drittel, gekennzeichnet (Regeln) — Nicht geregelt
tolino media Erlaubt, Kennzeichnungspflicht im Impressum (FAQ) — Kennzeichnungspflicht im Impressum
Amazon KDP Erlaubt, KI-generierte Inhalte müssen angegeben werden (KDP) — KI-generierte Bilder müssen angegeben werden
neobooks Nicht geregelt (AGB) — Nicht geregelt
BookRix Wird geprüft — Wird geprüft
Selfpublishing-Buchpreis — KI-generierte Texte nicht erlaubt (Bedingungen 2025/26) Vollständig KI-generierte Cover nicht erlaubt
SERAPH / Indie-SERAPH 2026 — Kein KI-Anteil erlaubt, auch nicht in Teilen (Formular) In den Bedingungen nicht geregelt
Phantastikpreis der Stadt Wetzlar 2027 — Keine Mithilfe von KI erlaubt (Ausschreibung) In den Bedingungen nicht geregelt

Aktuelles zum Thema

„Nicht geregelt“ heißt hier: In den veröffentlichten Regeln oder AGB der Plattform steht keine eigene Bestimmung zur KI-Nutzung.

So formulieren Wettbewerbe ihre KI-Klauseln

Wettbewerb KI-Klausel Folge laut Bedingungen
SERAPH und Indie-SERAPH 2026 (Phantastische Akademie) „weder vollständig noch in Teilen“ von KI-Programmen verfasst In den Bedingungen nicht genannt
Phantastikpreis der Stadt Wetzlar 2027 „Der Text darf nicht unter Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI; z.B. ChatGPT) erstellt worden sein.“ In den Bedingungen nicht genannt
„Textfunken 2026“ (ORF Burgenland) „literarische Texte, die ohne die Hilfe von KI entstanden sind“ In den Bedingungen nicht genannt
Selfpublishing-Buchpreis 2025/26 (Selfpublisher-Verband) Texte, die „ganz oder in wesentlichen Teilen“ mit generativer KI erzeugt wurden, sind ausgeschlossen; vollständig KI-generierte Cover ebenso Ausschluss von der Teilnahme
Kurzgeschichtenwettbewerb 2026 (Uni Münster, abgeschlossen) „Schreibt uns aber bitte, wenn ihr KI genutzt habt“ —
The Wattys 2026 (Wattpad) „We strongly discourage using generative AI for your stories.“ Bearbeitung, Gliederung, Recherche und Grammatik „at your discretion“ Kein Ausschluss genannt; KI-Cover müssen bei Promotion ggf. überarbeitet werden

Ohne jede KI-Hilfe – SERAPH, der Wetzlarer Phantastikpreis und „Textfunken“ verlangen einen Text, an dem KI überhaupt nicht mitgewirkt hat. Das ist die weiteste Formulierung: Sie trennt nicht zwischen Ideen, Korrektur und Textproduktion.

KI-generierte Texte ausgeschlossen – Der Selfpublishing-Buchpreis schließt Bücher aus, deren Text „ganz oder in wesentlichen Teilen“ von KI stammt. Hilfsmittel, die keinen Text erzeugen, nennt er nicht. Für 2026 gibt es keine neue Ausschreibung, die nächste Runde ist für 2027/28 geplant (Selfpublishing-Buchpreis).

Offenlegen statt verbieten – Die Uni Münster hat KI ausdrücklich zugelassen und nur um einen Hinweis gebeten. Die Wattys raten ab, lassen Werkzeuge für Bearbeitung und Recherche aber offen.

Wo fängt „KI nutzen“ an?

Deutschsprachige Wettbewerbe unterscheiden selten zwischen Stufen der KI-Nutzung. Ob eine Rechtschreibprüfung oder eine Ideenfrage schon zählt, lässt sich aus dem Wortlaut oft nicht ablesen. Plattformen, die Stufen festgelegt haben, helfen bei der Einordnung.

Ort Was erlaubt ist Was nicht erlaubt ist Was Sie angeben müssen
Fanfiktion.de KI-Text, Zitate und Fremdtexte zusammen bis zu einem Drittel des Gesamttexts Geschichten mit mehr als einem Drittel KI-Text KI-Passagen sichtbar absetzen (z. B. kursiv) und den Dienst nennen
tolino media KI-Text, KI-Cover und KI-Abbildungen grundsätzlich tolino kann KI-Bücher ablehnen und die Menge pro Monat und Konto begrenzen KI-generierte Texte und Bilder im Impressum, mit Namen aller genutzten KIs
Amazon KDP Selbst geschriebene Texte, die Sie mit KI überarbeiten oder prüfen (KI-unterstützt) — KI-generierte Texte, Bilder und Übersetzungen beim Veröffentlichen, auch nach umfangreicher Überarbeitung
Wattpad (Wattys 2026) KI für Bearbeitung, Gliederung, Recherche und Grammatik Kein ausdrückliches Verbot; von KI-Text wird stark abgeraten Nicht geregelt
Shōsetsuka ni narō (Japan) Ideen, Recherche, Rechtschreibung; KI-Entwurf in eigenen Worten neu geschrieben; einzelne KI-Sätze übernommen Komplett KI-generierter Text, Prompts im Text Nutzungsstufe für jedes Werk; KI-Text oder KI-Entwurf wird Lesern angezeigt
Kakuyomu (Japan) Alle Nutzungen — Tag für KI-Anteil ab 50 %, unter 50 % oder unterstützend; im Wettbewerb Pflicht, Autokorrektur ausgenommen

Ideen, Recherche und Rechtschreibung gelten überall als Hilfe. KDP verlangt dafür keine Angabe, Kakuyomu nimmt die automatische Korrektur von Textprogrammen ganz aus.

Entscheidend ist, ob KI-Sätze im Text stehen und wie viele. Fanfiktion.de zieht die Grenze bei einem Drittel, Kakuyomu bei 50 %. KDP ist am strengsten: Was eine KI geschrieben hat, bleibt KI-generiert, auch wenn Sie es danach stark überarbeiten.

So nutzen Schreibende KI tatsächlich

Wenn Sie … „Ohne jede KI-Hilfe“ (SERAPH, Wetzlar, Textfunken) „KI-generierte Texte ausgeschlossen“ (Selfpublishing-Buchpreis) „KI angeben“ (Uni Münster)
nur nach Ideen oder Recherche fragen Kann unter das Verbot fallen Vermutlich erlaubt Erlaubt, mit Hinweis
eine KI-Rechtschreib- oder Grammatikprüfung nutzen Kann unter das Verbot fallen Vermutlich erlaubt Erlaubt, mit Hinweis
einen KI-Entwurf in eigenen Worten neu schreiben Nicht erlaubt Kann unter das Verbot fallen Erlaubt, mit Hinweis
KI-Sätze im Text stehen lassen Nicht erlaubt Nicht erlaubt, wenn es wesentliche Teile sind Erlaubt, mit Hinweis
nur das Cover mit KI erstellen Nicht geregelt Vollständig KI-generierte Cover nicht erlaubt Nicht geregelt

Die Tabelle leitet sich aus dem Wortlaut der Bedingungen ab; die Entscheidung trifft der Veranstalter. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie vorher bei der Kontaktadresse in der Ausschreibung nach.

Was das Gesetz verlangt

EU AI Act, Art. 50. Die Transparenzpflichten gelten seit dem 2. August 2026 (EU-Kommission, 2026-08-02). Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) hat die Hochrisiko-Regeln verschoben, Art. 50 aber nicht; für KI-Systeme, die schon vor August auf dem Markt waren, läuft bei der maschinenlesbaren Markierung eine Übergangsfrist bis 2. Dezember 2026 (FGS, 2026-08-04; KI Brains, 2026-08-19). Diese Markierung ist Sache der Anbieter von KI-Systemen. Betreiber müssen KI-Text nur kennzeichnen, wenn er veröffentlicht wird, „um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren“ (Art. 50); wer KI rein privat und nicht beruflich nutzt, gilt gar nicht als Betreiber (Orrick, 2026-08-14). In ihren Leitlinien vom 20. Juli 2026 zählt die EU-Kommission KI-Romane und -Gedichte ausdrücklich nicht zu diesen Texten (Orrick, 2026-08-14). Auch der Selfpublisher-Verband sieht für den Text eines Romans in den meisten Fällen keine rechtliche Kennzeichnungspflicht; offen sei die Lage bei vollständig KI-generierten Romanen (Selfpublisher-Verband, 2026-08-19).

Urheberrecht. Geschützt sind nach § 2 Abs. 2 UrhG nur „persönliche geistige Schöpfungen“ (UrhG). Das AG München hat am 13. Februar 2026 (142 C 9786/25) entschieden, dass KI-generierte Logos keinen Schutz genießen, auch nicht nach detaillierten Prompts; menschlicher Einfluss, der das Ergebnis selbst prägt, könne aber genügen (Plutte, 2026-02-15). Für Wettbewerbe und Verlagsverträge ist das der Kern: Wer einen Preis oder Vertrag vergibt, will wissen, wem die Rechte am Text gehören.

Das Hamburger LAION-Urteil betrifft die andere Seite, nämlich Ihre Texte als Trainingsdaten. Das OLG Hamburg hat am 10. Dezember 2025 (5 U 104/24) entschieden, dass das Erstellen eines KI-Trainingsdatensatzes unter die Text-und-Data-Mining-Schranke fällt und ein Nutzungsvorbehalt in normaler Sprache nicht maschinenlesbar genug ist; die Revision zum BGH wurde zugelassen (heise; Technology's Legal Edge). Der Börsenverein fordert deshalb gesetzliche Transparenz über Trainingsdaten (Börsenblatt, 2026-10-06).

Vor den Regeln kommen die Leserinnen und Leser

In einer nicht repräsentativen Umfrage von literaturcafe.de mit 671 Teilnehmenden wollten 97,2 % einen KI-Hinweis, wenn KI etwa 85 % des Inhalts schreibt, und 73,2 %, wenn KI Kapitel entwirft und die Autorin oder der Autor rund 90 % überarbeitet. Bei Rechtschreibprüfung (28,8 %) und Brainstorming (35,2 %) war es eine Minderheit (literaturcafe.de, 2025-12-02). Verlage reagieren darauf: Loewe kennzeichnet seine Titel inzwischen mit einem „Ohne KI“-Label (Galaxus, 2026-02-27).

Wenn Sie KI nutzen, prüfen Sie vor dem Hochladen zwei Dinge:

  • ob Anweisungen an die KI oder ihre Antworten („Gern, hier ist die nächste Szene“) im Text stehen geblieben sind
  • ob sich dieselben Wendungen von Kapitel zu Kapitel wiederholen

Ob mit oder ohne KI: Halten Sie fest, wie Ihr Text entsteht

KI-Detektoren sind unzuverlässig und erzeugen viele Falsch-Positive, warnen die Sicherheitsforscher Bruce Schneier und Nathan Sanders (t3n, 2026-02-14). Das heißt auch: Wer ohne KI schreibt, kann trotzdem in Verdacht geraten. Beim Commonwealth Short Story Prize wurde im Mai 2026 mehreren Regionalsiegern KI-Nutzung vorgeworfen. Die Commonwealth Foundation verzichtete auf KI-Detektoren, sah sich Arbeitsentwürfe, Dokumente mit Zeitstempel und Notizen an und kam zu dem Schluss, dass keine KI verwendet wurde (Commonwealth Foundation, 2026-06-22). Granta beendete dennoch die Zusammenarbeit, und die Runde 2027 öffnet erst im Januar 2027 (Book Riot, 2026-06-25; The Art Hub, 2026-08-13).

Es lohnt sich, Folgendes aufzubewahren:

  • Entwürfe und überarbeitete Fassungen jedes Kapitels
  • Ideennotizen und Plotskizzen
  • falls Sie KI nutzen: in welchem Kapitel wofür – nur Ideen, ein Entwurf, den Sie neu geschrieben haben, oder übernommene Sätze

Mit der letzten Notiz können Sie in der Tabelle „Wo fängt ‚KI nutzen‘ an?“ sofort ablesen, in welche Stufe Ihre Nutzung fällt.

Bei TypeTak bleiben frühere Versionen einer Seite im Verlauf erhalten, und die Version direkt vor dem Einfügen eines Entwurfs oder einer Überarbeitung durch den Agenten wird automatisch gespeichert. Wenn Sie die Version mit dem KI-Entwurf neben Ihren heutigen Text legen, sehen Sie selbst, wie viel Sie seitdem umgeschrieben haben.

Vor der Einreichung prüfen

  • ob die Ausschreibung jede KI-Hilfe ausschließt oder nur KI-generierte Texte
  • ob die KI-Klausel auch Cover und Illustrationen umfasst
  • welche Folgen die Bedingungen nennen, etwa den Ausschluss von der Teilnahme
  • bei bereits veröffentlichten Büchern: ob das ganze Buch die Klausel erfüllt
  • ob Sie bei unklarem Wortlaut vorab beim Veranstalter nachgefragt haben

Häufige Fragen

Muss ich angeben, dass ich KI genutzt habe?

Das Gesetz verlangt das für Romantext in der Regel nicht. Plattformen können es aber verlangen: tolino media im Impressum, Amazon KDP beim Hochladen KI-generierter Inhalte, Fanfiktion.de direkt an den KI-Passagen. Maßgeblich sind die Regeln des Ortes, an dem Sie veröffentlichen.

Zählt eine Rechtschreibprüfung schon als KI-Nutzung?

Bei Amazon KDP und auf Wattpad gilt Korrektur als Hilfe, die Sie nicht angeben müssen. Wettbewerbe mit „ohne jede KI-Hilfe“ trennen das nicht ausdrücklich; fragen Sie in dem Fall beim Veranstalter nach.

Änderungsverlauf

  • 2026-10-15 — Erstveröffentlichung

Quellen

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