x Reader und Self-Insert schreiben: so bleibt die Figur IC

Sie haben Ihre eigene Figur angelegt und schreiben die erste Szene, und auf einmal ist Ihnen die Canon-Figur fremd, die Sie so mochten. Sie hat nur noch Augen für Ihre Figur, und von der Person, die sie im Canon war, ist nichts mehr übrig.

In einer Reader-Insert-Geschichte, auf Wattpad oft als „x Leser“ oder „x Reader“ betitelt, sind die Lesenden selbst die Figur an der Seite einer Canon-Figur. Eng verwandt sind das Self-Insert, bei dem Sie sich selbst in die Welt versetzen, und die Geschichte mit eigenem OC. Dieser Artikel zeigt, wie Sie diese Figur anlegen, die Perspektive wählen und die Canon-Figur so schreiben, dass sie sie selbst bleibt.

Das Beispiel ist Seraphine Mordell aus „Angeblich bin ich Schwarzmagier, dabei kann ich nur Erde schaufeln“, der Webnovel, die wir auch in Fanfiction schreiben als Canon verwenden. Das Werk ist auf Koreanisch entstanden. Seraphine ist Professorin für Schwarzmagie an der Akademie und hält den Studenten Clay für einen Schwarzmagier, obwohl er nur Erdmagie beherrscht. Im Koreanischen klingen beide Wörter fast gleich, und darauf beruht der Witz.

Auf einen Blick

Legen Sie zuerst die Notizen für die Canon-Figur an, erst danach Ihre eigene Figur. Ihre Figur sollte anders sein als die Canon-Figur und eigene Schwächen haben. Wählen Sie die Perspektive danach, ob die Lesenden selbst die Figur sein sollen oder nicht. Die Canon-Figur schaut nicht nur auf Ihre Figur. Und schreiben Sie in die Kurzbeschreibung, um welche Art von Geschichte es sich handelt.

Reader-Insert, Self-Insert, OC: Begriffe vorab

  • Reader-Insert (x Leser, x Reader): Die Lesenden sind die Figur. Meist in der Du-Form geschrieben, der Name bleibt offen.
  • (D/N) und Y/N: Platzhalter für den Namen der Lesenden. Deutschsprachige Geschichten nutzen oft (D/N) für „dein Name“, englische Y/N für „your name“. Manche ergänzen weitere, etwa (H/F) für Haarfarbe.
  • Self-Insert: Laut Glossar von FanFiktion.de wird eine reale Person in die Welt des Fandoms versetzt. Das kann, muss aber nicht die Autorin oder der Autor sein.
  • OC (Original Character): eine selbst erfundene Figur mit eigenem Namen, die Sie neben die Canon-Figur stellen. Sie ist eine eigene Person, nicht die Lesenden.
  • Mary Sue: eine Figur, die durch unglaubwürdige Fähigkeiten und Vorzüge negativ auffällt. Laut demselben Glossar muss sie weder weiblich noch neu erfunden sein.

Die Beziehung ist meist romantisch, aber Freundschaft, Familie, Kollegen oder unerwiderte Liebe gehören genauso dazu.

1. Zuerst die Notizen für die Canon-Figur

Die häufigste Kritik an Reader-Inserts lautet: „Die Figur ist gar nicht mehr sie selbst.“ Sobald sie auf die eigene Figur trifft, verhält sie sich schnell ganz anders als sonst. Legen Sie deshalb die Notizen für die Canon-Figur vor denen für Ihre Figur an.

Fünf Felder genügen: Sprechweise, Werte, Unter Druck, Niemals und Beleg. Seraphines vollständige Notizen stehen in Fanfiction schreiben, wie Sie solche Notizen anlegen und Szenen daran prüfen, in OOC: Bedeutung und 10 Fragen. Für diesen Artikel reichen zwei Zeilen daraus:

  • Unter Druck erklärt sie Unerwartetes mit ihrer eigenen Theorie und hält umso fester daran
  • Die Aufgabe einer Professorin ist es, das Talent eines Schwarzmagiers zu erkennen

2. Ihre Figur anders anlegen als die Canon-Figur

Für Ihre Figur legen Sie fünf Dinge fest.

Feld Was Sie festlegen
Name Ob die Figur einen Namen bekommt oder mit (D/N) offen bleibt
Platz in der Canon-Welt Wie sie die Canon-Figur trifft und was sie in dieser Welt tut
Charakter Worin sie sich von der Canon-Figur unterscheidet und wo die beiden aneinandergeraten
Schwächen Was Ihre Figur nicht kann, wo sie sich irrt
Andere Beziehungen Zu wem außer der Canon-Figur sie welche Beziehung hat

Als OC, also nicht als Reader-Insert, könnte Ihre Figur für Seraphine so aussehen:

Feld Marta
Name Marta. Ein schlichter Name, der in die Welt passt
Platz in der Canon-Welt Archivarin der Akademie, verwaltet die Bücher, die Seraphine ausleiht
Charakter Glaubt nur, was sie sieht, und nimmt alles wörtlich. Der einzige Mensch, der Seraphines Theorien nicht folgt
Schwächen Kann Menschen schlecht einschätzen und zeigt Sorge nur in Form von Mahnungen
Andere Beziehungen Leiht Mia Bücher, wann immer sie fragt, und mahnt Lucian am strengsten wegen überfälliger Bände

Achten Sie auf zwei Dinge. Erstens ist der Charakter das Gegenteil von Seraphines. Stellen Sie neben jemanden, der alles in eine Theorie einbaut, jemanden, der nur Tatsachen gelten lässt, dann entsteht eine Geschichte, sobald die beiden in einer Szene stehen. Zweitens hat Marta Schwächen und andere Beziehungen. Eine Figur, die alles kann und von allen geliebt wird, nennt man Mary Sue, und mit ihr fiebert niemand mit.

3. Die Perspektive wählen

Dieselbe Szene liest sich je nach Perspektive anders. Sollen die Lesenden selbst die Figur sein, passen die Ich- oder die Du-Form. Ist Ihre Figur jemand Eigenes, passt die dritte Person.

  • Ich-Form: Ihre Figur erzählt als „ich“. Ihre Gedanken sind so nah wie möglich.

    Seraphine erklärte mir schon wieder ihre Theorie. Ich nickte nicht und sortierte weiter die Bücher.

  • Du-Form: die übliche Form für Reader-Inserts. Wer liest, wird zur Figur.

    Seraphine erklärt dir schon wieder ihre Theorie. Du nickst nicht und sortierst weiter die Bücher.

  • Dritte Person: Ihre Figur hat einen Namen. Sie können beide Figuren mit etwas Abstand zeigen, und auch Seraphines Gedanken lassen sich leichter erzählen.

    Seraphine erklärte Marta schon wieder ihre Theorie. Marta nickte nicht und sortierte weiter die Bücher.

Bleiben Sie innerhalb einer Geschichte bei einer Perspektive. Wechselt sie von Szene zu Szene, wissen die Lesenden nicht mehr, durch wessen Augen sie sehen.

4. Die Canon-Figur schaut nicht nur auf Ihre Figur

Ein Reader-Insert wirkt meistens dann OOC, wenn die Canon-Figur nur noch Ihre Figur ansieht. Arbeit, Freunde und alte Gewohnheiten verschwinden, übrig bleiben nur Reaktionen auf Ihre Figur.

Angenommen, Sie haben die Szene, in der Marta Seraphine zum ersten Mal lobt, so geschrieben:

„Das war eine gute Vorlesung.“

Seraphine wurde rot und brachte kein Wort heraus. Dass Clay mit einer Frage an der Tür wartete, bemerkte sie nicht.

An zwei Stellen weicht das von Seraphines Notizen ab. Jemand, der Unerwartetes sofort in die eigene Theorie einbaut, ist sprachlos. Und jemand, dessen Aufgabe es ist, das Talent eines Schwarzmagiers zu erkennen, übersieht ausgerechnet Clay. Näher an den Notizen wäre diese Fassung:

„Das war eine gute Vorlesung.“

„Natürlich. Mit dem richtigen Studenten im Saal gelingt sie fast von selbst.“ Seraphine wandte sich zur Tür. „Herr Rowen, Ihre Frage. Und behaupten Sie nicht wieder, es sei nur Erde gewesen.“

Bis zum Abend erwähnte sie noch dreimal, dass sogar die Archivarin ihre Vorlesung gelobt hatte.

Seraphine baut das Lob in ihre Theorie über Clay ein und bleibt bei ihrem Studenten. Dass sie es dreimal weitererzählt, zeigt aber, wie sehr es sie gefreut hat. Wenn die Canon-Figur auf ihre eigene Weise reagiert, wiegt ein einziger Satz Ihrer Figur umso mehr.

Dasselbe gilt für die Beziehungen aus dem Canon. Löschen Sie sie nicht, um Platz für Ihre Figur zu schaffen. Menschen, die der Canon-Figur wichtig sind, und Gewohnheiten, an denen sie festhält, bleiben auch in Ihrer Geschichte.

5. Kurzbeschreibung und Hinweise

Reader-Inserts haben eine treue Leserschaft, und manche meiden das Genre bewusst. Schreiben Sie Folgendes in Titel oder Kurzbeschreibung, dann finden die richtigen Lesenden Ihre Geschichte, und die anderen gehen weiter.

  • Die Art der Geschichte: „x Leser“ oder „Reader-Insert“ im Titel, auf AO3 der Tag Reader-Insert, bei einem Self-Insert oder OC ein entsprechender Hinweis.
  • Wer mit wem: welche Canon-Figur und ob Ihre Figur einen Namen hat oder mit (D/N) offen bleibt.
  • Beziehung und Einstufung: ob es um Romantik oder eine andere Beziehung geht und ob es Gewalt oder sexuelle Inhalte gibt. Auf FanFiktion.de gehört dazu die Altersangabe von P6 bis P18.
  • Abweichungen vom Canon: Ob es ein AU ist oder Sie Setting hinzuerfunden haben, sagen Sie vorab.

Wenn Sie gerade erst anfangen, tun Sie heute nur eins: Füllen Sie bei Ihrer Figur die Zeile „Schwächen“ aus.

Häufige Fehler

  • Die perfekte eigene Figur. Eine Figur, die alles kann und die alle mögen, bringt die Geschichte zum Stillstand. Erst Schwächen bringen Bewegung in die Beziehung zur Canon-Figur.
  • Den Canon ausradieren. Wer Partner oder Freunde aus dem Canon streicht, um Platz für die eigene Figur zu schaffen, verliert die Lesenden, die den Canon lieben.
  • Lange Vorgeschichte zuerst. Erzählen Sie Vergangenheit und Fähigkeiten Ihrer Figur nicht alle im ersten Kapitel. Zeigen Sie sie nach und nach in den Szenen mit der Canon-Figur.
  • Reale Personen wie Romanfiguren behandeln. Ist Ihre Canon-Figur ein realer Mensch, etwa aus einer Band, kann der Text diese Person erreichen. FanFiktion.de hat für Geschichten zu bestimmten Prominenten eigene Einschränkungen. Lesen Sie die Regeln der Seite vorher.

Ihre Figur und die Canon-Figur nebeneinander in TypeTak

TypeTak ist ein KI-Schreibeditor, in dem Sie gemeinsam mit einem Agenten schreiben. Bei Reader-Inserts hilft er, die Notizen beider Figuren an einem Ort zu halten und beim Schreiben zu prüfen, ob die Canon-Figur sie selbst bleibt.

  • Beide Figuren in der Welt. Halten Sie die Notizen zur Canon-Figur und das Setting Ihrer Figur nebeneinander in Ihrer Welt fest. Der Agent liest die Welt, bevor er antwortet. Fragen Sie „Was sagt Seraphine, wenn Marta sie zum ersten Mal lobt?“, antwortet er auf Grundlage der Notizen beider Figuren.
  • Fertige Szenen mit Feedback prüfen. Öffnen Sie in der Symbolleiste des Editors das Menü neben Korrektorat und klicken Sie auf Feedback. Neben Stärken und Schwächen des Textes markiert es Stellen, die dem Setting in Ihrer Welt widersprechen. So prüfen Sie noch einmal, ob die Canon-Figur von ihren Notizen abweicht.

TypeTak ist ein Werkzeug für Texte, die Sie selbst schreiben. Was für ein Mensch Ihre Figur ist und wie nah sich die beiden kommen, entscheiden Sie.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Reader-Insert und Self-Insert?

Bei einem Reader-Insert sind die Lesenden die Figur, meist in der Du-Form und ohne festen Namen. Bei einem Self-Insert versetzt sich die schreibende Person selbst in die Welt, oft in der Ich-Form. Beide Formen überschneiden sich, und die Regeln für die Canon-Figur sind dieselben.

Muss meine Figur einen Namen haben?

Nein. Sollen sich die Lesenden selbst hineinversetzen, schreiben Sie in der Du-Form und setzen (D/N) oder Y/N an die Stelle des Namens. Wollen Sie Ihre Figur als eigene Person zeigen, fällt das Schreiben mit einem Namen leichter.

Wie verhindere ich, dass meine Figur eine Mary Sue wird?

Legen Sie zuerst eine Schwäche fest und eine Beziehung zu jemandem außer der Canon-Figur. Wenn Ihre Figur sich irrt und auch mit anderen spricht, nehmen Lesende sie als Menschen wahr.

Darf ich Lesende ihre eigene Figur einreichen lassen?

Das hängt von der Seite ab. FanFiktion.de duldet solche Mitmach-Geschichten, aber die Planung darf nicht über Reviews laufen. Steckbriefe, Anmeldungen oder Umfragen in Reviews sind dort nicht erlaubt. Die Einzelheiten stehen in den Regeln zum Veröffentlichen.

Was unterscheidet ein Reader-Insert von einer Pairing-Geschichte?

Ein Pairing verbindet zwei Canon-Figuren. Ein Reader-Insert verbindet eine Canon-Figur mit den Lesenden oder mit einer eigenen Figur. Wie Sie die Canon-Figur IC halten, ist in beiden Fällen gleich.

Quellen

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